Danach hätte es schön sein müssen

Der Film verfolgt, wie die persönliche und gesellschaftliche Erfahrung des Nationalsozialismus in die familiären Zugewinngemeinschaften der westdeutschen Nachkriegszeit hineinwirkt und sich in ihren Machtstrukturen, in alltäglicher Ordnung, in der Sachlichkeit der Beziehungen wieder aufspüren lässt: „1974 fährt meine Mutter nach Bremen. Sie nimmt ein Hotelzimmer und bringt sich darin um. Sie ist 42 Jahre alt geworden. Zuhause wird über den Selbstmord nicht gesprochen. 1997 treffe ich nach Jahren ohne Kontakt meinen Vater wieder. Er wohnt immer noch in der Wohnung, in die er vor 41 Jahren mit der Frau und dem Kind eingezogen ist. Im Schlafzimmer bedeckt dieselbe blaue Decke die Betthälfte meiner Mutter. Über die folgenden zweieinhalb Jahre hinweg mache ich mit einer DVKamera Aufnahmen. Ich filme obsessiv. Der Schrecken materialisiert sich nicht. Ich beobachte den Vater, folge ihm, sogar auf eine Schiffsreise durch die Karibik. Die Kamera ermöglicht Distanz, aber auch Nähe. Durch die Kamera können mein Vater und ich miteinander sprechen.“

Regie: Karin Jurschick
Jahr: 2000
Länge: 73min
Thema: Gesellschaft & Portrait
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